Kapitel 7. 32-Bit- und 64-Bit-Anwendungen in einer 64-Bit-Systemumgebung

Inhaltsverzeichnis

7.1. Laufzeitunterstützung
7.2. Software-Entwicklung
7.3. Software-Kompilierung auf Doppelarchitektur-Plattformen
7.4. Kernel-Spezifikationen

Zusammenfassung

SUSE Linux ist für verschiedene 64-Bit-Plattformen verfügbar. Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass alle enthaltenen Anwendungen bereits auf 64-Bit-Plattformen portiert wurden. SUSE Linux unterstützt die Verwendung von 32-Bit-Anwendungen in einer 64-Bit-Systemumgebung. Dieses Kapitel bietet einen kurzen Überblick darüber, wie diese Unterstützung auf SUSE Linux-64-Bit-Plattformen implementiert ist. Es wird erläutert, wie 32-Bit-Anwendungen ausgeführt werden (Laufzeitunterstützung) und wie 32-Bit-Anwendungen kompiliert werden sollten, damit sie sowohl in 32-Bit- als auch in 64-Bit-Systemanwendungen ausgeführt werden können. Außerdem finden Sie Informationen zur Kernel-API und es wird erläutert, wie 32-Bit-Anwendungen unter einem 64-Bit-Kernel ausgeführt werden können.

SUSE Linux für die 64-Bit-Plattformen AMD64 und EM64T ist so konzipiert, dass bestehende 32-Bit-Anwendungen sofort in der 64-Bit-Umgebung ausgeführt werden können. Diese Unterstützung bedeutet, dass Sie weiterhin Ihre bevorzugten 32-Bit-Anwendungen verwenden können und nicht warten müssen, bis ein entsprechender 64-Bit-Port verfügbar ist.


7.1. Laufzeitunterstützung

[Important]Konflikte zwischen Anwendungsversionen

Wenn eine Anwendung sowohl für 32-Bit- als auch für 64-Bit-Umgebungen verfügbar ist, führt die parallele Installation beider Versionen zwangsläufig zu Problemen. Entscheiden Sie sich in diesen Fällen für eine der beiden Versionen und installieren und verwenden Sie nur diese.

Für eine korrekte Ausführung benötigt jede Anwendung eine Reihe von Bibliotheken. Leider sind die Namen für die 32-Bit- und 64-Bit-Versionen dieser Bibliotheken identisch. Sie müssen auf andere Weise voneinander unterschieden werden.

Um die Kompatibilität mit der 32-Bit-Version aufrechtzuerhalten, werden die Bibliotheken am selben Ort im System gespeichert wie in der 32-Bit-Umgebung. Die 32-Bit-Version von libc.so.6 befindet sich sowohl in der 32-Bit- als auch in der 64-Bit-Umgebung unter /lib/libc.so.6.

Alle 64-Bit-Bibliotheken und Objektdateien befinden sich in Verzeichnissen mit dem Namen lib64. Die 64-Bit-Objektdateien, die sich normalerweise unter /lib, /usr/lib und /usr/X11R6/lib befinden, werden nun unter /lib64, /usr/lib64 bzw. /usr/X11R6/lib64 gespeichert. Unter /lib, /usr/lib und /usr/X11R6/lib ist also Platz für die 32-Bit-Bibliotheken, sodass der Dateiname für beide Versionen unverändert bleiben kann.

Unterverzeichnisse der Objektverzeichnisse, deren Dateninhalt nicht von der Wortgröße abhängt, werden nicht verschoben. Beispielsweise befinden sich die X11-Schriftarten noch immer am gewohnen Ort unter /usr/X11R6/lib/X11/fonts. Das Schema entspricht LSB (Linux Standards Base) und FHS (File System Hierarchy Standard).